Izumi Kobayashi


Die Malerei von Izumi Kobayashi hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer stärker zu einem ruhigen, konzentrierten und heiteren Gestus hin entwickelt. Zu Anfang der neunziger Jahre standen organische Formen im Vordergrund, die sich vielfach überlappten und mit geschwungenen Linien wie mit Schlinggewächsen verbunden waren. Die Farben waren oft dramatisch und grell, kontrastreich gegeneinander gesetzt. Es folgte Mitte der neunziger Jahre schon die Entwicklung zu stärker monochromen Bildflächen, auf die farblich stark abgehobene Inseln und Farbschlangen aufgetragen wurden. Vielfach in Kreisbewegungen übereinander aufgetragene Temperaschichten erzeugten wolkige Farbflächen mit einer Tiefenwirkung, die ähnlich einem Blick in den verschleierten Sommer-Himmel in unendliche Weiten zielte.

Die neueren Bilder gehen weg von den organischen Formen und den streng abgegrenzten Farbfeldern. Sterne, Punkte, athmosphärische Erscheinungen sind Anregungen zum Beispiel für "Message", das von der Farbgebung wesentlich kühler erscheint als frühere Werke. Da aber der Pigmentauftrag noch feiner geworden ist, hat die Oberfläche eine matte, körnige, fast stoffliche Erscheinung, die dem Bild trotz der kühlen blauen Farbe wiederum Wärme verleiht.

Von der Natur ausgehend, von kosmischen und Lichterscheinungen inspiriert, haben die jüngsten Werke von Izumi Kobayashi einen eleganten Habitus, fast erinnern sie an science-fiction-Darstellungen des Weltraums. Weder Gegenstände noch Lebewesen spielen eine Rolle, der Raum scheint endlos weit sich erstrecken zu wollen und wird nur begrenzt von den Abmessungen der Leinwand. "Kein Ort - nirgends" oder "schon immer - überall", sind die Empfindungen und Eindrücke beim Betrachten der äußerst präzise ausbalancierten Farbmodulationen in "Yasuragi" (ruhend). Die unendlich vielen Schattierungen von Blau und Türkis werden erst zum oberen Bildrand hin vertikal rhythmisch unterbrochen durch geschwungene, unterschiedlich breit und intensiv durchscheinende, leicht orange farbene Linien. Ruhe und Sehnsucht verlieren sich in den unendlichen Weiten eines unbegrenzten Horizonts.

Der Blick wird hineingezogen in einen nicht definierten und schwerelosen Raum und findet einzig Halt an geschwungenen Linien, die wie sanfte Wellen auf uns zurollen, oder an sternenartigen Fixpunkten, die Ordnung und Gliederung in dieser unbekannten Welt geben. Die Unfassbarkeit des Ortes wie zum Beispiel bei "Akai Tsuki" (Rote Erde) wirkt aber nirgends bedrohlich oder fremd. Vielmehr scheinen wir uns zu erinnern an Orte und Ausblicke, die wir schon erlebt oder geträumt haben. Heiterkeit und Gelassenheit wie bei "Niwa De" (Im Garten) oder kraftvolle Vitalität wie bei "Akai Tsuki" vermitteln die Bilder von Izumi Kobayashi, die sich bewußt von der äußerlichen Bilderflut und Medienwelt absetzen, um innere Welten anschaulich und erfahrbar zu machen.

http://www.izumi-kobayashi.de/Texte/text-luedtke.html



Vita

Leben

1958 geboren in Sendai (Japan)
1977-1982 Studium der Kunstgeschichte, Tohoku Universität, Japan
1983-1990 Studium an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe
1989-1990 Meisterschülerin bei Prof. Per Kirkeby

Auszeichnungen

1990   Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1991 Preis des Künstlerbundes Baden-Württemberg
1996 Stipendium Cité International des Arts, Paris
2014 Preis: Forumkunst, Regierungspräsidium Karlsruhe

Werke in unserer Sammlung

Frühlingshimmel, 2000, Eitempera auf Baumwolle, 60 x 45 cm
Frühlingshimmel, 2000, Eitempera auf Baumwolle, 60 x 45 cm